Cham (Kreis)
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Warum eine Mitarbeiterin des WEISSEN RINGS eine Millionenspende nicht haben will

Betrug, Cybercrime, Prävention

Zu den Aufgaben des gemeinnützigen Vereins WEISSER RING gehört neben der Opferbetreuung insbesondere die Präventionsarbeit, um Straftaten vorzubeugen und potenzielle Opfer besser zu schützen. "Diese Gelegenheit nehme ich gerne wahr, zumal sie im folgenden Fall direkt in meinem E-Mail-Posfach landete." Ramona Hapke hat als Journalistin von Berufs wegen ein Auge auf Themen von öffentlichem Interesse und recherchiert seit Jahrzehnten auch in Sachen Internetsicherheit.

Ihr wurde kürzlich in einer E-Mail eine Spende in Höhe von 3 Millionen Euro angeboten, um damit den "Wohltätigkeitshäusern und den Armen in ihrer Gemeinde" zu helfen. Der "Gönner", selbsternannter größter Jackpot-Gewinner der New Yorker Lottogeschichte, möchte "die Welt zu einem besseren Ort machen." Hapke, die bereits 2008 in ihrem Blog über Phishing berichtete und anderen kriminellen Machenschaften u. a. im Landkreis Cham auf die Spur kam, kann gar nicht oft genug zur Vorsicht mahnen.

Deshalb beschreibt sie die jüngste Betrugsmasche, die übrigens in einer ähnlichen Variante in der ZDF-Sendung "WISO" vom 15. Juli 2019 angesprochen wurde, um Landkreisbürger zu warnen.

Inhalt einer betrügerischen E-Mail

Bildschirmfoto: Ramona Hapke

Der Löwe lauert am Wasserloch. Macht der Internetnutzer jetzt einen Fehler, schnappen die Cyberkriminellen zu.

 

Den Köder haben sie in der E-Mail ausgelegt und untermauern die Echtheit des Vorhabens mit einem Artikel über den vermeintlichen Gewinn in der Zeitung New York Post und mit einem YouTube-Video.

Ich lasse es schön bleiben, auch nur einen Link in dieser Nachricht anzuklicken! Was ich zu sehen bekommen würde, sind detailgetreue Nachbauten von real existierenden Webseiten, wetten?

Darin liege nach Hapkes Meinung auch die Gefahr für Internetnutzer: Die Methoden der Kriminellen werden immer ausgefeilter. Das ZDF berichtet über hochqualifizierte Fachleute in der kriminellen Szene, wie Programmierer, Psychologen usw., die Betrugskampagnen planen und realisieren.

Ramona Hapke konstruiert den möglichen weiteren Verlauf des Betrugsprozederes, den sie natürlich nicht in Gang setzte:

Dem ZDF-Bericht zufolge kann ich nur mutmaßen, was nun weiter passiert wäre. Ich hätte eine Kopie meines Personalausweises senden müssen, um Zugriff auf ein scheinbar real existierendes Bankkonto zu erhalten, natürlich nach Zahlung irgendeiner Gebühr im vierstelligen Bereich. Ich hätte nach dem Einloggen auf einem exakten Nachbau einer Bank-Webseite (Fake!) das Guthaben in Höhe von 343,8 Millionen Dollar Gewinn sehen können. Ich hätte vielleicht übersehen, dass die angegebene Internetadresse der einer Bank bis auf eine Winzigkeit ähnelt und mich weiter zu Geldzahlungen nötigen lassen müssen, um an die Millionen zu kommen.

Menschen geben viel zu viel von sich im Internet preis. Oftmals hört Ramona Hapke Argumente, wie "Was ist bei mir schon zu holen!“

Vielen Nutzern ist nicht bewusst, dass Kriminelle mit dem Handel gestohlener Identitäten sehr viel Geld verdienen und welcher Schaden ihnen entstehen kann,

zitiert sie Prof. Dr. Christoph Meinel vom Hasso-Plattner-Institut und klärt auf:

Alle mit dem Internet verbundenen Geräte können von Infektionen betroffen sein: Firmennetzwerke, Privatcomputer, Smartphones, kabellose Eingabegeräte wie Mäuse und Tastaturen, die mit USB-Dongles ohne Bluetooth genutzt werden, Augmented-Reality-Geräte, Kinderspielzeug, die Kaffeemaschine im Smart Home. Sicherheitslösungen werden zwar intelligenter. Für den normalen Internetnutzer wird es angesichts der sich täglich ändernden Gefahrenlage dennoch zunehmend anspruchsvoller, Attacken abzuwehren.

Eine hundertprozentige Sicherheit im Internet gibt es nicht, weiß auch der WEISSE RING. Kommt jemand zu Schaden, empfiehlt er unbedingt eine Anzeige bei der Polizei.

Um den Cyberkrieg nicht zu verlieren, müssen Internetnutzer ihre Feinde verstehen. Deshalb ist der WEISSE RING auch in Sachen Internetsicherheit um Aufklärung bemüht, um Schäden abzuwenden oder zumindest zu begrenzen. Die AS Cham hofft, mit dem geschilderten Fall ein wenig dazu beitragen zu können.

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Mit ihren Erfahrungen als Herausgeberin diverser Publikationen bereichert Ramona Hapke seit 2006 das WR-Team um Außenstellenleiter Klaus Kozuch, in welchem jeder Ehrenamtliche seine ganz speziellen Kenntnisse und menschlichen Stärken zum Wohle der Kriminalitätsopfer im Landkreis ausspielt.