Auch in den wenigen Tagen des neuen Jahres geht die „Häusliche Gewalt“ im Landkreis Cham unvermindert weiter. So wurde der WEISSE RING im Landkreis Cham seit Jahresbeginn zu folgenden Fällen um Hilfe gerufen:
Das sind nur drei Beispiele von ca. einem Dutzend Fällen von häuslicher Gewalt in unserer Nachbarschaft in relativ kurzer Zeit - und alle gegen Frauen!
Auf den ersten Blick ist nicht zu erkennen, dass häufig psychische und/oder digitale Gewalt vorausgegangen ist.
Wenn eine Frau heute unter Partnerschaftsgewalt leidet, ist sie eben auch häufig von digitaler Gewalt betroffen. Ex-Partner stalken mit digitalen Überwachungstechniken ihre Partnerin weiter, greifen auf elektronische Kalender zu, stellen anonym intime Fotos ins Netz oder missbrauchen gar die Identität der Frau in den sozialen Medien, um ein negatives Bild von ihr im Netz zu schaffen.
Frauen sind von digitaler Gewalt mit am stärksten betroffen. Daher möchte der WEISSE RING am Samstag, 22. März 2025, dem „Tag der Kriminalitätsopfer“, dieses Thema besonders hervorheben – und darüber informieren, wie man sich vor digitaler Gewalt schützen kann.
Partnerschaftsgewalt betrifft nicht nur den analogen Raum, auch online können (Ex-)Partner oder (Ex-)Partnerinnen sehr viel Schaden anrichten. Und wie wir alle wissen, vergisst das Internet nie. Daher liegt es uns am Herzen, bei diesem Thema den Präventionsaspekt nach vorne zu stellen. Neben der konkreten Hilfe in den Familien wollen wir aufklären und ansetzen, bevor etwas passiert,
sagt Hermann Gammer, Leiter des WEISSEN RINGS, Außenstelle im Landkreis Cham.
Wir wollen zum Beispiel dafür sensibilisieren, dass es kein Liebesbeweis ist, Passwörter mit seinem Partner oder seiner Partnerin zu teilen. Auch mit intimen Fotos sollte man vorsichtig sein, wenn man nicht möchte, dass sie vielleicht irgendwann doch online missbraucht werden. Das sind kleine Dinge, auf die man achten kann, die aber eventuell vor Missbrauch schützen können.
Digitale Gewalt umfasst ein breites Spektrum von verschiedenen, teilweise kriminellen Handlungen im Internet. Dass Frauen online immer häufiger zum Angriffsziel werden, zeigte auch das Bundeslagebild „Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten 2023“ des Bundeskriminalamtes.
62,3 Prozent der Opfer digitaler Gewalt sind demnach weiblich. Zu Formen digitaler Gewalt gehören Delikte wie Cyberstalking oder Cybergrooming und weitere Missbrauchsdelikte, die über das Internet begangen werden.
Auch Dickpics (Penisbilder) gehören beispielsweise dazu. Auch hier sind Frauen meistens die Betroffenen,
so Hermann Gammer.
Wer ein solches Foto erhält, muss das nicht einfach hinnehmen. Das ungefragte Versenden von intimen Bildern ist strafbar und sollte angezeigt werden. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, das muss in unserer Gesellschaft endlich ankommen,
betont Gammer. Die Außenstelle im Landkreis Cham wird sich mit einer AKTION am „Tag der Kriminalitätsopfer“ beteiligen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des WEISSEN RINGS im Landkreis werden u.a. zu diesem Thema Veranstaltungen und Informationen anbieten. Außerdem steht eine Expertin und aktive Mitarbeiterin des WEISSEN RINGS, Frau Birgit Zwicknagel, im Landkreis Cham bei „Kriminalität im Netz“ neben den anderen Opferhelferinnen und -helfern allen zur Seite.
Seit 1991 macht der WEISSE RING mit dem „Tag der Kriminalitätsopfer“ alljährlich am 22. März auf Menschen aufmerksam, die durch Kriminalität und Gewalt geschädigt wurden. Er soll das Bewusstsein für Opferbelange in Deutschland stärken und Informationen zu Prävention, Schutz und praktischen Hilfen geben. Inzwischen ist der Aktionstag fester Bestandteil im Kalender von Institutionen aus den Bereichen Politik, Justiz und Verwaltung, aber auch Vereinen und Schulen geworden.