Cham (Kreis)
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Kriminalfälle und das wahre Leben mit Mord und Totschlag

Am Donnerstag, dem 21. März 2019, fand im Hotel Am Regenbogen Cham der Vortrag "Die reale Welt des Bösen" mit Buchautor Josef Wilfling statt. Die Veranstaltung organisierte die Kolpingfamilie zugunsten des WEISSEN RINGS anlässlich des Tages der Kriminalitätsopfer am 22. März.

Bei der Planung der Veranstaltung arbeiteten die Junge Gruppe Bayern-Nord unter der Leitung der Jugendbeauftragten Judith Löffler, das Team der WR- Außenstelle Cham, unter Führung von Klaus Kozuch sowie die Kolping-Familie unter der Führung von Gabriele Dahlmann als Veranstalter eng zusammen.

Die Vorsitzende des Vereins Kolpingfamilie Cham e. V., Gabriele Dahlmann, begrüßte den Ehrengast, Buchautor und langjährigen Leiter der Münchner Mordkommission Josef Wilfling zu einem spannenden wie ernüchternden Vortrag über

"Die wahre Welt von Mord und Totschlag"

Buchautor Josef Wilfling

Foto: Ramona Hapke


Vor einem ausverkauften Haus berichtete Wilfling von wahren Kriminalfällen, die auch Gegenstand seiner veröffentlichten Bücher sind. Er möchte als Gegenpol zu den Krimis im Fernsehen aufzeigen, wie die Polizeiarbeit wirklich ist und das Leid verdeutlichen, welches Delikte hervorrufen. Die Realität sei so schlimm, so etwas könne man im TV nicht nachstellen, so Wilfling.

Publikum im Kolpinghaus Cham

Foto: Ramona Hapke


In seinem mehr als neunzigminütigen Vortrag gab der Autor ungeschönte Einblicke in seine Arbeit bei der Polizei und beantworte Fragen, wie zu den Motiven für einen Mord, ob jeder zum Mörder werden kann und was "hinterher" kommt, nämlich das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen.

Den Spannungsbogen hielt Josef Wilfling aufrecht, indem er deutliche Worte fand, Geschehnisse sachlich beleuchtete und mit Zahlen belegte. Wie sich die Polizeiarbeit seit dem Einsatz von Computern und DNA-Analysen verändert hat, faszinierte die Zuschauer. Viele Morde, sog. Cold Cases, konnten auch nach Jahrzehnten aufgrund technischer und wissenschaftlicher Fortschritte aufgeklärt werden.

Man mag es kaum glauben, doch der didaktisch gut durchdachte Vortrag mit dramatisch ernstem Hintergrund ließ es nicht an Auflockerung mangeln. So begann Wilfling mit einem Geständnis: "Ich bin Franke." Und auch sonst bemühte er gerne Philosophen und Literaten zur Untermauerung von nüchternen Aussagen, um zu verdeutlichen, dass sich Menschen seit Jahrtausenden moralisch nicht geändert haben. Selbstsucht, Rache, Hass und Heimtücke seien menschliche Defizite, die auch heute noch Auslöser krimineller Taten sind. Wilfling ermahnte mit einem Augenzwinkern:

Drum prüfe, wer sich ewig bindet!

Diese Weisheit habe auch heute noch ihre Berechtigung, betrachtet man die Zahl der Straftaten innerhalb von Familien.

Josef Wilfling beklagt offen die Gleichgültigkeit, die sich in unserer Gesellschaft ausgebreitet hat. Doch er spricht auch von Hoffnung:

Wo viel Leid ist, ist auch viel Menschlichkeit.

Zahlreiche Zuschauerfragen am Ende des Vortrags zeugten vom großen Interesse an der Arbeit des Ermittlers und der aktuellen Polizeiarbeit.

Josef Wilfling arbeitete bereits in München mit dem WEISSEN RING zusammen und wertschätzt die Arbeit des Vereins. Deshalb übergab er die Einnahmen der Veranstaltung dem WEISSEN RING. Am Büchertisch der Buchhandlung Rupprecht signierte der Autor seine Bücher. Viele Besucher der Veranstaltung freuten sich über ein Autogramm.

Foro: Petra Wutz


Josef Wilfling - Autor mit bewegter Vergangenheit

Der pensionierte Kriminaloberrat und ehemalige Chef der Mordkommission München schrieb bereits während seiner Dienstzeit ab und zu für eine Polizeizeitung. Nach seiner Pensionierung wollte er eigentlich nur ein Buch schreiben, als Hobby sozusagen. Inzwischen hat Wilfling drei Bücher über echte Kriminalfälle publiziert und ein Fachbuch "nachgeschoben". Josef Wilfling war Gastreferent der Fachhochschulen der Polizei in Sulzbach-Rosenberg und Fürstenfeldbruck. Er möchte mit dem Fachbuch sein Wissen an die Jüngeren weitergeben.

Viele erfolgreiche Lesungen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz machten Wilfling bekannt, so dass er heute von einem zweiten Berufsweg als Autor spricht.